Rhönklub Gersfeld - Geschichte

Der Gersfelder Marktplatz in der Zeit um 1900

Foto: Bilder aus der Rhön, Verlag von Junghanss & Koritzer, Meiningen, Seite 32
mit der freundlicher Veröffentlichungsgenehimigung der
Hochschul- und Landesbibliothek Fulda, PURL: http://fuldig.hs-fulda.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:hebis:66:fuldig-371794

Die Gründung des Rhönklubs 1876 in Gersfeld

von Josef Laschütza in 2016

Rückblick auf die Gründung des Rhönklubs vor 140 Jahren am 6. August in Gersfeld

Sanitätsrat Dr. Justus Schneider aus Fulda war es, der es verstanden hat, einflussreiche Persönlichkeiten aus allen Teilen der Rhön für seinen Plan zu gewinnen, einen Rhönklub zu gründen.
Schon vor der Abfassung seines Rhönführes hatte Schneider das ganze Rhöngebiet bereits erwandert und dabei zahlreiche Bekanntschaften mit anderen Rhönfreuden geschlossen. Mit diesen hat er die Gründung eines Gebirgsvereins für die Rhön besprochen und dabei überall Entgegenkommen und Zustimmung gefunden, um die Gründung eines Rhönklubs zu erreichen. Die Einladung zu dieser Gründungversammlung nach Gersfeld hatte folgenden Wortlaut:

Zeit und Local der Versammlung werden durch die Blätter veröffentlicht werden, so stand es auf der Einladung und am Nachmittag findet ein Ausflug auf den großen Nallen statt.
In der Chronik wird berichtet, dass dieser Einladung zufolge, die von den 12 Rhönfreunden unterzeichnet war, tatsächlich 150 Rhönfreunde am 6. August nach Gersfeld gekommen waren um einen Rhönklub zu gründen. Es wird weiter berichtet, auch in Gersfeld hatte man sich keine allzu große Vorstellung von der Gründung eines neuen Vereins gemacht und war deshalb umso mehr überrascht, als teilweise schon am Tag vor der Gründungsversammlung einige Dutzend eleganter Kutschen aus Kissingen, Fulda, Geisa, Brückenau, Mellrichstadt und anderen Rhönorten in Gersfeld eintrafen, deren Insassen nur mit Mühe untergebracht werden konnten, zumal in dem kleinen Rhönstädtchen damals nur 4 Gasthäuser mit Übernachtungsmöglichkeit bestanden.

Im letzten Absatz konnte man lesen, dass ein Teil der eingeladenen Rhönfreunde zur Gründung des Rhönklubs in Gersfeld in eleganten Kutschen angereist waren. Es gab nämlich zu dieser Zeit (1876) noch keine Eisenbahnverbindung in die Rhön. Die Eisenbahnstrecke Fulda - Gersfeld wurde erst am 1. Oktober 1888 in Betreib genommen.
Die Verhandlungen zur Gründung des Rhönklubs begannen in der Mittagsstunde im Gasthof Zum Hirsch. Dr. Justus Schneider begrüßte die Anwesenden und auf seinen Vorschlag wurde Landrat Ochs von Gersfeld durch Akklamation zum Tagungsleiter gewählt. Man trat hierauf in die Debatte ein, mit dem Ergebnis, dass Dr. Justus Schneider zum 1. Vorsitzenden gewählt wurde und den Ehrentitel Rhönklub - Präsident erhielt. Die beiden weiteren Mitglieder des geschäftsführenden Vorstands wurden der Fuldaer Fabrikant Hermann Jacobsen als Schatzmeister und der Verleger Ludwig Uth, in dessen Verlag, das Fuldaer Kreisblatt erschien, als Kassenführer. Man kam überein, dass Fulda Vorort und Sitz des geschäftsführenden Hauptvorstands, sowie der Geschäftsstelle sein sollte.
Als Gründungslokal war ursprünglich das Gasthaus Zum Stern vorgesehen, indem sich heute das Rathaus befindet. Da der Saal, in dem das Festessen für die Gründungsmitglieder stattfinden sollte, zu klein war, wurde die Gründungsversammlung in das Gasthaus Zum Hirsch verlegt, dessen Saal bis auf den letzten Platz gefüllt war.
Die ersten 15 Sektionen, heute werden sie Zweigvereine genannt, die sich bei der Gründungsversammlung konstituierten waren: Fulda, Gersfeld, Weyhers, Geisa, Dermbach, Hilders, Fladungen, Mellrichstadt, Neustadt/Saale, Bischofsheim, Bad Kissingen, Bad Brückenau, Hünfeld, Hammelburg und Schlüchtern.
Der jährliche Beitrag wurde auf 1 Mark pro Mitglied festgelegt. Es wurde außerdem ein Zentral - Ausschuss beauftragt, Statuten auszuarbeiten und bei der nächsten Jahreshauptversammlung zur Beratung vorzulegen.
Zum Festessen fanden wegen der beschränkten Räumlichkeiten nicht alle Gäste Platz. Durch eine Reihe von Trinksprüchen ernsten und launigen Inhalts herrschte bald eine gehobene Stimmung. Da sich das Festessen, das nach vorgefundenen Unterlagen einen für damalige Verhältnisse ungewöhnlich hohen Preis kostete, sich lang ausdehnte, wurde die Wanderung zur großen Nalle abgekürzt und unter Vortritt einer Musikkapelle ein Spaziergang bis zur Ziegelhütte unternommen. Bis zum Einbruch der Dunkelheit verblieb man dort bei Liedvorträgen Fuldaer und Gersfelder Sänger. Die ganze Veranstaltung war vom herrlichen Wetter begünstigt.
Der Schlusssatz der Aufzeichnung über die Gründungsversammlung lautet: Das löbliche Unternehmen wird jedoch erst dann seinen Zweck vollständig erfüllen können, wenn alle daran teilnehmen, die ein Herz für die mannigfaltigen Schönheiten der Rhön in sich tragen.

In der Chronik wird berichtet, dass beim Festessen 1876, durch eine lange Reihe von Trinksprüchen ernsten und launigen Inhalts bald eine gehobene Stimmung herrschte, wozu das nachstehende Tafellied nicht ein wenig beigetragen mag:
Melodie: "Prinz Eugen der edle Ritter"
Auf, ihr Brüder, laßt uns singen
von so manchen schönen Dingen,
die das Herze uns erfreun.
Wenn im traulichen Vereine
wir von gutem Bier und Weine
trinken und uns schenken ein..
Herrlich ist das Land der Preußen,
stündlich könnt ich es beweisen,
wenn man es bezweifeln sollt.
Aber nirgends ist's so schön,
wie in unserer hohen Rhön.
Ihr gewiß mir Beifall zollt.
von uns allen hochverehrt.
Wo sind nochmals solche Höhen?
Wo kann solche Form man sehen
an den Bergen hoch und steil?
Wo wird bess'res Bier gebrauet?
Wo man schön're Mädchen schauet?
Ihr bemerkt es alleweil.
Also sprach, ja hört es weiter,
eines Tages Doktor Schneider,
und er sagt noch manches mehr,
ruft zusammen alle Leute,
die am Guten ihre Freude,
und sie hörten sein Begehr:
"Daß die Rhön wird mehr begangen,
müssen endlich wir erlangen.
Und ich schreibe drob' ein Buch.
Lasset einen Club uns bilden
in den heimischen Gefilden,
doch damit ist's nicht genug.
Was der Doktor voller Feuer
angeregt, ganz ungeheuer
fand es Beifall überall.
Ihm allein ist's zuverdanken,
seinen zündenden Gedanken,
daß versammelt wir zumal.
Daß der Rhönclub auch gedeihe,
durch sein Wirken uns erfreue,
drauf sei dieses Glas geleert.
Und recht glücklich, lang und heiter
lebe auch der Doktor Schneider,
von uns allen hochverehrt.
(Text aus dem Büchlein Auswahl Deutscher Lieder zusammengestellt und herausgegeben vom Rhönclub, Fulda, Druck und Verlag von J.L. Uth 1878.
übertragen am 28. April 2016 von Josef Laschütza)

Ist es nicht erstaunlich, in welcher Zeit 1876 der Rhönklub gegründet wurde? Gersfeld gehörte von 1815 bis 1866 zum Königreich Bayern. Der Krieg war erst 1866 zu Ende gegangen. Hessen und Bayern standen sich bis 1866 feindlich gegenüber und führten Krieg an der Seite von Preußen und Österreich.
Dem Fuldaer Arzt Dr. Justus Schneider war es gelungen, einflusswegreiche Persönlichkeiten zur Gründung eines Gebirgsvereins für die Rhön zu gewinnen. Über alle Landes-, Standes- und Konfessionsgrenzen haben sich in Gersfeld bayerische, preußische und Thüringer Heimatfreunde zusammen gefunden aus Liebe zur gemeinsamen Heimat und schönen Natur.
In dieser auch wirtschaftlichen Notzeit der Rhön, wurde der Rhönklub gegründet. Nur drei deutsche Mittelgebirgsvereine bestanden schon vor der Gründung des Rhönklubs 1876, der Schwarzwaldverein (1864), der Taunusklub (1868) und der Vogesenklub (1872).
Und die ersten 15 Sektionen (heute werden sie Zweigverein genannt), die sich bei der Gründungsversammlung konstituierten, berichtete der "Fuldaer Anzeiger" in einer Jubiläumsausgabe:

Sache der betreffenden Abteilungsvorstände sollte es dann sein, für ihre Gegenden etwas zu tun, hauptsächlich aber für Wegweiser und bessere Wege zu sorgen, um dadurch in erster Linie den Touristen eine Besuch der Rhönberge zu erleichtern. Die Ausbildung von Führern und die Verbesserung der Gasthäuser hielt Dr. Full (Bad Kissingen) für nicht so notwendig, dies könne erst in Angriff genommen werden, wenn der Club über bessere Mittel verfüge.
Das Comite solle beauftragt werden, provisorische Statuten zu entwerfen und diese ihre Gültigkeit bis zur ordentlichen Constituierung des Clubs im nächsten Jahr haben. Oberförster Borgmann von Thiergarten schloss sich diesen Ausführungen an und betonte, dass von Seiten der Forstbeamten alles aufgeboten werden solle um der Rhön eine größere Frequenz zu verschaffen. Amtsrichter Hagemann in Hilders trat für die Verschönerung der Rhön mit warmen Worten ein, war aber nicht für eine Hebung des Touristenverkehrs, seine Meinung gipfelte in dem alten deutschen Lied: Was nützt mir denn ein schöner Garten, wenn andere darin spazieren gehen, etc.

Rege Tätigkeit im neu gegründeten Rhönklub

Der neue Heimatverein, der Rhönklub, entwickelte dank der Energie von Dr. Justus Schneider eine rege Tätigkeit und erhöhte seine Mitgliederzahl schnell. 1877 zählte der Rhönklub in den fünfzehn Sektionen 1019 Mitglieder. Ein Jahr später waren neue Zweigvereine in Lengsfeld (Thüringen), Meiningen, Münnerstadt, Ostheim, Vacha und Kaltennordheim hinzugekommen. Aber auch zu den anderen Gebirgsvereinen in den Nachbargebieten hielt man gute Fühlung und Kontakte und so wurde bereits 1883 in Fulda der Verband Deutscher Touristenvereine, der heutige Verband Deutscher Gebirgs- und Wandervereine e.V. gegründet.
Mittlerweile ist der Verband mit über 650.000 Mitgliedern in 56 Mitgliederorganisationen nicht nur ein Wanderverein, sondern einer der größten Naturschutzbewegungen. Die Wanderbewegung übernimmt auch vielfältige kulturelle Aufgaben in der Heimat- und Brauchtumspflege und besitzt damit eine zentrale gesellschaftliche Bedeutung. Sie vereint Menschen unterschiedlicher Herkunft, verschiedenen Alters und unterschiedlicher Weltanschauung beim gemeinsamen Wandern.
Die Sektion Gersfeld wurde von Landrat Rudolf Ochs geleitet, er war also der 1. Vorsitzende des Zweigvereins Gersfeld bis zu seinem Tod im Jahr 1879. Zu den ersten Zielen des Rhönklubs gehörte die Entwicklung des Tourismus in der Rhön. So begann die Erschließung von Wanderwegen. Es wurden Wegweiser aufgestellt und Wegemarkierungen angebracht. Es wurden Aussichtspunkte eingerichtet und Ruhebänke aufgestellt. Im Zuge dieser Maßnahmen wurden vom Zweigverein Tische und Bänke an der Fuldaquelle und am Eierhauk aufgestellt. Ein markierter Fußweg wurde von den Dreierhöfen aus zur Eube angelegt.
1876 hatten sich in Gersfeld 47 Mitglieder in die Gründerliste des Zweigvereins eingetragen. Bereits 1883 war die Mitgliederzahl auf 118 angestiegen und 1896 waren es bereits 302. Der Mitgliederstand setzte sich zum Jahresende 1995 aus 408 Haupt-, 195 Anschluss-, und 102 Jugendmitgliedern zusammen, insgesamt 705 Mitgliedern. Und 2015 zum Jahresende hatten wir 665 Mitglieder, die uns jahrelang die Treue halten.

Im Archiv des Zweigvereins befindet sich eine Mitgliederliste aus dem Jahre 1896 darin sind 302 Mitglieder eingetragen. Hiervon waren 91 aus Gersfeld und den umliegenden Dörfern. Die anderen Mitglieder hatten ihren Wohnort, man kann sagen in ganz Deutschland. Es ist schon interessant einige Orte namentlich zu erwähnen: Kassel, Lübeck, Halle, Dresden, Marburg, Bremen, Frankfurt, Berlin, München, Düsseldorf, Nürnberg, Straßburg, Helgoland und Wien.
Interessant scheint mir auch der Stand (Beruf) dieser Mitglieder zu sein. Auch diese Berufsbezeichnungen möchte ich hier aufführen: Amtsgerichtsrat, Staatsanwalt, Professor, Pastor, Justizrat, Orgelbauer, Butterhändler, Lokomotivführer, Regierungspräsident, Verlagsbuchhändler, Landrat, Hofrat, Oberstleutnant, Freiherr, Reichsrat der Krone Bayern, Polizeipräsident, Baron, Durchlaucht, Friedrich-Wilhelm Erbprinz von Ysenburg und Erbprinzessin, sowie Graf und Gräfin Montjoie.

Jubiläumsveranstaltungen in Gersfeld

Es gibt keinen Ort in der Rhön, in dem die Hauptversammlungen des Gesamtrhönklubs so häufig abgehalten wurden, wie in Gersfeld. Besonders zu Jubiläumsveranstaltung erinnert sich der Klub der heimlichen Hauptstadt der Rhön, seines Gründungsortes Gersfeld.

Die 10. Jahreshauptversammlung 1886 in Gersfeld.

Die 10. Hauptversammlung verbunden mit dem Stiftungsfest, wurde am 15. August 1886 besonders feierlich begangen. Nach der Delegiertenversammlung ordnete sich ein imposanter Festzug durch die Straßen von Gersfeld, auf die eine Partie zur Nalle folgte.
Der Mitgliederstand betrug in den 20 Sektionen nun 2651 Mitglieder. Neu gegründet waren die Sektionen Kothen und Königshofen. Ein fahrbarer Weg von Wildflecken zum Kreuzberg wurde durch die Sektion Brückenau angelegt, auf dem Wachtküppel hatte der Erbprinz von Ysenburg (Mitglied des ZV Gersfeld), zwei Ruhebänke mit Wellblechdach errichten lassen. Eine gute Rhönkarte im Verlag der Universitätsdruckerei Stürz in Würzburg war erschienen.
In der Chronik der katholischen Schule zu Gersfeld wurde aufgeschrieben:
Am 15. August 1896 wurde das 10jährige Stiftungsfest des Rhönklubs in Gersfeld festlich begangen, es nahmen an dieser Feier nicht nur Mitglieder dieses Vereins sondern besonders die Bürger Gersfeld daran lebhaften Antheil.

Vorbereitung zur 20. Hauptversammlung in 1896

von Josef Laschütza in 2016

Zur 20. Hauptversammlung war wieder Gersfeld ausersehen worden. Am 15. August hatten sich wieder viele Rhönfreunde hier versammelt. Der Mitgliederstand betrug 2832 in 29 Zweigvereinen. Einige verdienstvolle Rhönfreunde waren inzwischen verstorben. So in Eisenach der Mitbegründer des Rhönklubs Geheimrat Medizinalrat Dr. Mathes, in Mellrichstadt Mitbegründer Landrichter Trabert und der Rhöndichter Leopold Höhl. Wegemarkierungen und Bauwerke des Rhönklubs waren weiter instandgesetzt und verbessert worden. Der Zweigverein Neustadt hatte zum Andenken an den Bauernaufstand gegen die Franzosen, am August 1896 für den gefallenen Arzt Dr. Reder ein 15 m hohes Holzkreuz errichtet.

Verlauf der 20. Hauptversammlung im Jahr 1896

von Josef Laschütza in 2016

Wie die 20. Hauptversammlung in Gersfeld vor 120 Jahren verlaufen ist darüber berichtete das Fuldaer Kreisblatt in seiner Ausgabe vom Dienstag, 18. August sehr ausführlich.

Kommers zum 20. Jubiläum

Die Festlichkeiten leitete am Samstagabend in herkömmlicher Weise ein Kommers ein, der den neuen Saal im Deutschen Kaiser bis auf den letzten Platz füllte, auch viele Damen waren zugegen. Auf ein kurze Begrüßungsansprache des Postverwalters Roeder, mit welcher er seiner Freude über die Treue der Rhönclubisten Ausdruck gab und die lieben Gäste willkommen hieß, antwortete Herr Dr. Schneider in bündiger Form, dankend für die gastliche Aufnahme und wünschend, das Fest möge sich befriedigend gestalten. Weitere Reden wurden nicht mehr gehalten, sondern musikalische Vorträge der Gersfelder Stadtkapelle wechselten mit solchen des Hilderser Streichquartetts mit Liedern der Gersfelder Doppelquartett mit Chorgesängen.
Um 8 Uhr hatten die katholischen Rhönclubisten Gelegenheit eine hl. Messe des hochwürdigsten Herrn Bischofs von Würzburg beizuwohnen. Derselbe weilt gegenwärtig beim Grafen von Frohberg zu Besuch.

20. Delegiertenversammlung

Der Frühzug brachte die Gäste aus Fulda und den nahegelegenen Ortschaften, und von allen Seiten, zu Wagen und zu Fuß und auf dem Fahrrade kamen die Festteilnehmer zum Städtchen herein. Allein die Hauptmasse zu bringen war dem Sonderzug und dem Mittagszug vorbehalten, wenn auch die Vertretung aus allen Zweigvereinen eine gute war. So muss doch Fulda das Kompliment gemacht werden, dass es das stärkste Aufgebot gestellt hatte.
Um 10 Uhr tagte die 20. Hauptversammlung des Rhönclubs im Saale des Gasthauses Zum Hirsch. Außer den Delegierten der Zweigvereine wohnte derselben noch eine Anzahl Mitglieder bei. Vor Eintritt in die Tagesordnung warf der Herr Präsent einen Rückblick auf die Geschichte des Vereins und ermunterte zu fernerer ruhigen Tätigkeit.
Herr Stadtverordnetenvorsteher Fasold entbot der Versammlung den Willkommensgruß Gersfelds und wünschte den Verhandlungen segensreichen Erfolg. Herr Landrath Dr. Knorz von Cassel überbrachte die Glückwünsche des Niederhessischen Touristenclubs und feierte die idealen Ziele des Rhönclubs. Herr Sanitätsrath Dr. Endemann von Cassel gratulierte Namens des dortigen Verschönerungsvereins und der Sektion Cassel des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins den Rhönclub zu seinem 20. Stiftungsfeste und zu seinen großen Erfolgen.
Hierauf wurde nach Erfüllung der üblichen Formalitäten zur Erledigung der Tagesordnung geschritten. Der Herr Präsident erstattete Bericht über die Tätigkeit des Vereins im Jahre 1895, dem Schatzmeister wurde Entlastung gegeben und als Ort der Abhaltung der nächsten Hauptversammlung Kaltennordheim gewählt.
Wir gehen über die Verhandlungen flüchtig hinweg, weil jedes Rhönclubmitglied in der ihm zu Theil werdenden Festschrift sich von den Vereinsangelegenheiten innerer Natur selbst unterrichten kann.
Zuschüsse aus der Hauptkasse wurden diesmal in der Höhe von 903 Mark an 12 Zweigvereine bewilligt, deren Delegierten zwar erheblich mehr wünschten, aber mit sich handeln ließen. Der Antrag des Hauptausschusses, auf der Wasserkuppe eine Fläche am Schutzhaus ankaufen zu dürfen, um ein auf demselben lastendes unbequemes Servitut zu beseitigen, wurde im Princip angenommen im Interesse der aus größeren Entfernungen die Rhön besuchenden Touristen an zuständiger Stelle zu wirken.
Der Herr Präsident, der im Laufe der Sitzung die Freude hatte, mehrere eingegangene Glückwunsch-Telegramme und Schreiben verlesen zu können, schloss sodann die Versammlung mit dem Rufe: Auf Wiedersehen in Kaltennordheim im nächsten Jahr!

Wetter war ungünstig, Gewitter im Anzug.

Wenn bisher das Wetter immer noch schwankte zwischen hell, dunkel und trüb, und die Hoffnung nicht aufgegeben wurde, dass die drohenden Gewitterwolken zerstieben, der Himmel sich aufklärte und am Nachmittag die Sonne niederlächeln werde auf den hübsch arrangierten Festplatz im Schüßlers Garten und auf die zahlreichen Gäste, so musste doch die Täuschung kommen, denn das Frühkonzert wurde durch einige kräftige Gewitterschauer in bedauerlicher, bodenerweichender Weise gestört.
Ist es nicht weniger als angenehm, wenn es Einem ins Bierglas regnet, so hat man es gewöhnlich auch nicht gerne, wenn der triefende Regenschirm in den Teller rinnt und die Festsuppe kühlt und verdünnt. Namentlich die Passagiere des Mittagszuges wurden in Gersfeld von einem tüchtigen Regenguss empfangen.

Das Festessen

Nach 1 Uhr begann das Festmahl, an dem sich über 150 Personen, Damen und Herren, in bunten Reihen in der luftigen, vor Regen schützenden Festhalle beteiligten. Dass das Mahl, welches der Küche und dem Keller des Herrn F. Schüßler nur zu Empfehlung gereichen kann, von Reden und Trinksprüchen begleitet war, ist selbstverständlich.
Der Präsident des Rhönclubs eröffnete die Reihe der Ansprachen und toastete auf Sr. Majestät den Kaiser Wilhelm, der Präsident des festgebenden Zweigvereins trank auf das Wohl den Rhönclubs als den Stamm, der 29 so gesunde Zweige trieb, Herr Baumeister Wegerer von Fulda ließ in seiner bekannten launigen Weise den Zweigverein und die Stadt Gersfeld hochleben, der geschickte Recitator Herr Emil Mihm aus Frankfurt a. M. feierte den Vergleich zur Rhön in poetischen Worten und trefflichen Vortrage der Damen.
Wir hoffen, den Wortlaut dieses geistreichen Trinkspruches noch nachträglich mitteilen zu können. Herr Sanitätsrat Dr. Endemann gab seinen Gefühlen gebundener Rede Ausdruck. Auch während des Festessens concertierte die Gersfelder Kapelle und kamen noch weitere eingelaufene Begrüßungstelegramme zu 20. Jubelfeier des Rhönclub zur Kenntnisnahme.

Der Festzug 1896

Es war mittlerweile Zeit geworden, den Festzug in Bewegung zu setzen. Er gestaltete sich staatlich, 12 Fahnen wehten in buntesten Farben, eine Schar fröhlicher Kindergesichter an der Spitze sah sich allerliebst an und spiegelte das Bild treuer Anhänglichkeit der Gersfelder Bürger an den Rhönclub, Mitglieder desselben schlossen sich in großer Zahl an, überall vom Publikum enthusiastisch begrüßt und von schönen Händen mit Blumen beworfen. Die Gruppen in altmodischer Tracht absorbierten das Hauptinteresse am Festzug, in kleidsamen Aufputz, verschwenderisch in der Farbhäufung, traten die drallen Rhönerinnen auf und hatten genugtuung an dem Wohlgefallen, mit den sie als Schmuck betrachtet wurden.
Obgleich der Himmel vorrübergehend feuchte Spenden fallen ließ, blieb doch die Feststimmung bei den Teilnehmern auf ihrer Höhe und ein großstädtisches Treiben entfaltete sich beim Volksfest, bis der Abendzug und die Tanzvergnügungen Lichtung in die Reihen brachte. Schwer hielt es, von der fröhlichen Menge zu scheiden, schwer gelang es, im Zug einem Platz zu bekommen und schwer ist wohl bei manchen die Erinnerung an das feucht-fröhliche Fest.
Dem Zweigverein Gersfeld aber Dank für die schönen Stunden in seiner Mitte und ein kräftiges Frisch auf.

Aufgaben des Rhönklubs

Die Gebirgswege zu verbessern, Wegweiser zu errichten, Aussichtpunkte und Ruheplätze herzustellen. Führer auszubilden und auf die Verbesserungen der Gasthäuser einzuwirken, sodann auch durch Wort und Schrift für den Besuch der Rhön zu wirken und zu werben, das der Schluss eines Aufrufes von 12 Rhönfreunden zu Bildung eines Vereines. Dieser Aufruf hatte Erfolg, am 6. August 1876 fand zu Gersfeld in Gasthof Zum Hirschen die Gründung des Rhönclubs mit 15 Sektionen statt.
Der Gedanke zur Gründung eines Vereins für die Rhön ging von dem Fuldaer Sanitätsrat Dr. Justus Schneider aus. Er wurde Vorsitzender des Central-Ausschusses. Er wirke seit der Gründung des Rhönklubs (1876-1904) bis zu seinem Tode für diese Aufgabe, denn in der Familie Schneider in Fulda galt es als eine Verpflichtung, der Heimat und ihren Menschen zu dienen. Die Gedenktafel Zum Hirsch zur Erinnerung an dieses historische Ereignis wurde erst am 3. August 1926 zur 50-Jahrfeier des Rhönklubs angebracht.
Der erste Vorsitzende des Zweigvereins Gersfeld war der Königliche Landrat Rudolf Ochs von 1876 bis 1879, der auch den Aufruf zur Gründung des Rhönklubs unterschrieben hatte. Der erste Landrat des neuen preußischen Kreises Gersfeld war Herr Schilling, der nur kurze Zeit sein Amt zum Segen des Kreises Gersfeld verwalten konnte, da er schon 1871 noch 3-tägigem Krankenlager starb. Sein Nachfolger wurde Rudolf Ochs.

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Thomas Niedling
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