Chronik des Rhönklub ZV Gersfeld

zum Heimatabend des 130-jährigen Bestehens

am 26. August 2006 - von Josef Laschütza


Der Rhönklub Zweigverein Gersfeld kann in diesem Jahr auf eine lange Tradition zurückblicken: auf sein 130 jähriges Bestehen. In dieser langen Zeit gab es immer wieder Mitglieder, die bereit waren im Vorstand des Vereins Verantwortung zu übernehmen und sich für ihre Rhönheimat einzusetzen.
Die Gebirgswege zu verbessern, Wegweiser zu errichten, Aussichtspunkte und Ruheplätze herzustellen, Führer auszubilden und auf Verbesserung der Gasthäuser einzuwirken, sodann auch durch Wort und Schrift für den Besuch der Rhön zu wirken und zu werben war der Schlusssatz eines Aufrufes von 12 Rhönfreunden zur Bildung eines Vereins. Dieser Aufruf hatte Erfolg, am 6.August 1876, also vor 130 Jahren fand zu Gersfeld, im Gasthof "Zum Hirsch" die Gründung des Rhönklubs und der 15 Sektionen statt. Heute werden die Sektionen Zweigvereine genannt.
Der Gedanke zur Gründung eines Vereins für die Rhön ging von dem Fuldaer Arzt Sanitätsrat Dr. Justus Schneider aus. Er wurde Vorsitzender des "Central Ausschusses". Er wirkte seit der Gründung des Rhönklubs (1876 -1904) bis zu seinem Tode für die Aufgabe, denn in der Familie Schneider in Fulda galt es als Verpflichtung, der Heimat und ihren Menschen zu dienen. Eine Gedenktafel am tzraditionsreichen Gasthof "Zum Hirsch" zur Erinnerung an dieses historische Ereignis wurde erst am 3. August 1926 zur 50-Jahrfeier des Rhönklubs angebracht.

Seit 2005 ziert noch eine weiterte Tafel dieses Gebäude, von der Stadt Gersfeld angebracht.
Der Rhönklub wurde am 6.August 1876 von 150 Rhönfreunden aus den damaligen Bundesstaaten Preußen, Bayern, Sachsen- Weimar und Sachsen - Meiningen im Gasthof "Zum Hirsch" im Gersfeld gegründet. In der Chronik wird berichtet, in Gersfeld hatte man sich keine allzu großen Vorstellungen von der Gründung eines neuen Vereins gemacht und war deshalb um so mehr überrascht, als teilweise schon am Tag vor der Gründungsversammlung einige Dutzende eleganter Kutschen aus Kissingen, Fulda Geisa, Brückenau, Mellrichstadt und anderen Rhönorten eintrafen, deren Insassen nur mit Mühe untergebracht werden konnten, zumal in dem kleinen Rhönstädtchen damals nur vier Gasthäuser mit Übernachtungsmöglichkeiten bestanden. Bei der Gründungsversammlung in Gersfeld wurde Sanitätsrat Dr. Justus Schneider zum 1. Rhönklubpräsidenten gewählt. Gleichzeitig konstituierten sich die ersten 15 Sektionen bei der Gründungversammlung. Dies waren die Orte Fulda, Gersfeld, Weyhers, Geisa,Dermbach, Hilders, Fladungen, Mellrichstadt, Neustadt/Saale, Bischosheim. Bad Kissingen, Bad Brückenau, Hünfeld, Hammelburg, und Schlüchtern.
Der jährliche Beitrag wurde auf eine eine Mark pro Mitglied festgelegt. Es wurde außerdem ein Zentral-Ausschuss beauftragt, Statuten auszuarbeiten und bei der nächsten Jahreshauptversammlung zur Beratung vorzulegen.
Seit der Gründung des Rhönklubs im Jahr 1876 und der Erschließung der Rhön durch die Eisenbahnlinien (Gersfeld 1888) gab es eine stetige Aufwärtsentwicklung im Fremdenverkehr, heute spricht man vom Tourismus.
Eine der ersten Arbeiten der aktiven "Sektion Gersfeld" war das Aufstellen von Tischen und Bänken an der Fuldaquelle und am Eierhauck, sowie das Anlegen eines Fußweges von den Dreierhöfen zur Eube. 1880 wurde der Fußweg auf den Wachtküppel vollendet, der Sparbroder Pfad verbessert und ein Touristenweg zur Nalle gebaut. Die Wanderwege zur Wasserkuppe, der Fuldaquelle und dem Roten Moor wurden markiert und Wegweiser ausgestellt. Seit der Gründung haben bisher 11 Männer als Vorsitzende den ZV Gersfeld geführt. Johann Adam Röder seines Zeichens Postmeister zu Gersfeld, stand 40 Jahre in der Regie des Vereins. Zu seiner Zeit gründete sich die Trachtengruppe, die zum 50jährigen Rhönklub -Jubiläum 1926 ersmals öffentlich auftrat. Auf Hans Gutmann der 16 Jahre des ZV leitete folgte 1968 Karl Wepler. Nach erfolgreichen 24 Jahren hat er 1992, den Vorsitz an Berthold Krönung übergeben.
1.Ferdinand, Ochs, Landrat 1876 - 1879
2.Heinrich Rasch, Oberförster 1879 - 1887
3.Karl Baumann, Pfarrer 1887 - 1896
4.Johann - Adam Röder. Postmeister1896 - 1936
5.Erwin Volze, Lehrer 1936 - 1942
6.Emil Otterbein, Kaufmann 1942 - 1945
7.Rolf Müller, Angestellter 1947 - 1951
8.Alfred Leubecher, Gastwirt 1951 - 1952
9.Hans Gutmann, Gastwirt 1952 - 1968
10.Karl Wepler, Postbeamter 1968 - 1992
11.Berthold Krönung, Elektromeister1992 bis heute

Als Postmeister Röder 1936 im Alter von 74 Jahren verstorben war, erschien ein Sonderblatt zum Gersfelder Kreisblatt. In dem Nachruf heißt es u.a. 40 Jahre war er Vorsitzender des ZV Gersfeld und war allzeit darauf bedacht, dass innerhalb seiner Zweigvereinsgrenzen Wege, Anlagen, Schutzhütten, Ruheplätze und Wegbezeichnung im Interesse der Rhönbesucher in Ordnung waren.
Interessant ist auch, 1876 hatten sich in Gersfeld 47 Mitglieder in die Gründerliste des ZV eingetragen. Bereits 1883 war die Mitgliederzahl auf 118 gestiegen und 1896 waren es bereits 302. Im Archiv befindet sich die Mitgliederliste von 1896, wo die 302 Mitglieder eingetragen sind. 91 waren aus Gersfeld und den umliegenden Dörfern. Die anderen Mitglieder hatten ihren Wohnort in ganz Deutschland, so kann man sagen - einige Orte möchte ich erwähnen: Kassel, Lübeck, Halle, Dresden, Marburg, Bremen, Frankfurt, Berlin, München, Düsseldorf, Nürnberg, Straßburg, Helgoland und Wien.
Es gibt keinen Ort in der Rhön, in dem die Hauptversammlungen des Gesamtrhönklubs so häufig abgehalten wurden, wie in Gersfeld. Besonders zu Jubiläumsveranstaltungen hat sich der Klub an seinem Gründungsort Gersfeld erinnert.
Die 10. Hauptversammlung verbunden mit dem Stiftungsfest wurde am 15.August 1886 besonders feierlich begangen. Zur 20. Hauptversammlung am 15. August 1896 war wieder Gersfeld ausersehen worden. Das Gersfelder Kreisblatt schrieb hierzu: Am 15., 16. und 17.August findet ein großes Volksfest in unserem Rhönstädtchen statt. Die Vorkehrungen zum Feste, zu welchem wir Besuch aus nah und fern erwarten, werden von der hiesigen Sektion eifrig betrieben. Das Städtchen wird in ein Festgewand gehüllt und alles aufgeboten, damit sich unsere Gäste recht heimisch fühlen und uns eine bleibende Erinnerung bewahren werden.
Die 39. Hauptversammlung 1915 war eine Kriegstagung, ebenso 40. Hauptversammlung 1916. 1926 war für Gersfeld auch ein großes Fest, da wurde zum 50. Bestehen des Rhönklubs, die Gedenktafel am Gasthaus zum Hirsch angebracht.
Außerdem wurden ausgerichtet die 60 Hauptversammlung 1936, die 62. Hauptversammlung 1938. Die 75. Hauptversammlung 1951, da wurde der Gedenkstein in Kippelbach eingeweiht. Die 81. Hauptversammlung 1957. Die 90.Hauptversammlung 1966. 100. Hauptversammlung 1976 war Gersfeld auch eingebunden.
Die 120. Hauptversammlung 15./16. Juni 1996 wird den meisten noch in guter Erinnerung sein, als Ministerpräsident Hans Eichel in Gersfeld weilte. Im Jahr 2001 an der 125.Hauptversammlung war der ZV wieder beteiligt des Rhönklubs. Die Jubiläumswanderung des Rhönklubs durch drei Bundesländer ca. 42 km, endete in Gersfeld, ebenso fand in der Ev. Kirche ein Festakt eine Feierstunde statt, anschließend traf man im unteren Barockschloss. Der ZV veranstaltet aus diesem Anlass einen Heimatabend in der Stadthalle und vor der Gründungstätte dem Gasthaus Zum Hirsch fand eine Feierstunde statt. Auch hat es viele Gausternwanderungen nach Gersfeld gegeben, die letzte war im Jahr 2002. Es kamen 600 Wanderer aus 25 Zweigvereinen des Fuldagaus nach Gersfeld. Die Veranstaltung fand in der Turnhalle statt. Die Gaukulturtagung war im Jahre 1990 in der Stadthalle, bei der die Seniorentanzgruppe zum ersten Mal öffentlich auftrat. Im Mai 1990 war der Tanzkreis gegründet worden.
Hier möchte ich noch anschließen: die Trachtengruppe des ZV wurde 1925 gegründet, die ersten Leiter waren Hauptlehrer Elm und Lehrer Bachmann. Im Jahr 2000 feierte die Gruppe mit einem großen Fest im Schlosspark ihr 75 jähriges Bestehen. Viele Male die Gruppe beim Oktoberfest in München und trat bei anderen Festen sehr oft in Erscheinung. Ein wichtiger Gersfelds und der Rhön.
Die Tanzkreis die Seniorentanzgruppe wurde 1990 gegründet und konnte im vorigen Jahr ihr 15 jähriges Bestehen feiern. (Leider, kann ich alles nur in Stichworten erwähnen sonst würde man Vortrag den Abend sprengen.)
Am 15, März 1988 wurde dem ZV die Eichendorff-Plakette durch Frau Staatsministerin Irmgard Reichhardt in Poppenhausen und den ZV Fulda Hünfeld, Poppenhausen, Tann und Weyhers verliehen.
Die Widergründung des Zweigvereins nach dem zweiten Weltkrieg erfolgte am 18.9.1947, im Gasthof zur Sonne. Mit einem Originalbericht vom letzten Kriegsjahr 1944, den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte, will ich schließen: Am Sonntag den 26.11.1944 war in Fulda eine Arbeitstagung des Rhönbund - Fuldagau. Infolge der teilweisen Verkehrsschwierigkeiten waren nur wenige Teilnehmer erschienen. Gersfeld war durch stellvertretenden Zweigführer Otterbein vertreten. Gauvertreter Wanderkamerad Steyer, Fulda eröffnete gegen 9 Ihr die Tagung. Er begrüßte besonders den Senior den Fuldaer Wanderkameraden Sanitätsrat Dr. Schneider, der trotz seines hohen Alters ein warmer Freund der Rhön geblieben ist. Die Tagung befasste sich insbesondere mit den Vorbereitungen für ein Gauehrenmal auf dem Giebelrain. Man muss schon jetzt im Kriege mit den Arbeiten beginnen, wenn etwas Richtiges geschaffen werden soll. Circa 5000 Mark sind bereist angesammelt, sodass Grund und Boden für das entstehende Ehrenmal gekauft werden kann. Damit auch unser Zweig nicht zurück steht, Bausteine für das zu schaffende zu geben, spendete ich aus der Vereinskasse den Betrag von 100 Reichsmark. Gegen 11 Uhr heulten die Sirenen auf und kurz darauf brachten die Feindflieger Tod und Verderben über die Stadt. Die Tagungsteilnehmer saßen bei Kerzenlicht im Keller des Hotels Karpfen, der einen zwar nicht ganz sicheren Aufenthalt bot. Nachdem die Schreckensminuten vorbei, Bombeneinschläge und Detonationen verhalt waren, gingen alle Tagungsteilnehmer weiter an die Arbeit. Wanderkamerad Steyer spendierte einen Krug Steinhäger, eine große Seltenheit im 6. Kriegsjahr.
Nach dem gemeinsamen Mittagessen, was auch verdient erwähnt zu werden (Schweinebraten, Klöße, Rotkraut und 2. Schoppen Moselwein) wurde gegen 2 Uhr anbetracht eines neuen Alarms, die Arbeitstagung beendet. In dem Gelöbnis trotzt Bombenterror und Gefahren weiter unseren Rhönbund-Idealen treu zu bleiben zum Wohle der Heimat und des Deutschen Vaterlandes schied man auseinander. Durch den Fliegerangriff war auch die Rhönstrecke außer Betrieb, sodass der Heimweg zugleich eine Wanderung war. Wanderkamerad Lehrer Westpfahl aus Hettenhausen und ein Wanderlamerad aus Thalau sowie meine Wenigkeit machten uns gemeinsam auf den weiten Heimweg. Schneegestöber und Regen waren die Begleiter, vorbei an zerstörten Gehöften und Bombentrichter (Rhönshausen und Welkers) marschierten wir der Rhön entgegen. Nach einem fünfstündigen Fußmarsch war ich in Gersfeld angelangt.
Gersfeld, den 27.11.44 E. Otterbein.